30.08.20

Gottesdienst zum Selberfeiern

https://www.mauritiuskirche-ofterdingen.de/fileadmin/mediapool/gemeinden/KG_ofterdingen/pdf/2020_08_30_Gottesdienst_zum_Selberfeiern.pdf

Glockenläuten
Votum: Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Hei- ligen Geistes. Amen.
Der lebendige Gott begegnet uns als der Helfer, als der Arzt – das ist das Thema des Gottesdiens- tes am heutigen 12. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest. Und darauf zielt auch das Wort, das uns in dieser Woche begleitet: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen“ (Jes 42,3). Er kommt uns nahe in seinem Wort und tut uns Gutes; seine Hilfe und seine Güte feiern wir in diesem Gottesdienst. - Dazu begrüße ich Sie alle sehr herz- lich!
Wir beten mit Worten aus Psalm 30.
Psalm 30 (EG 715):
Ich preise dich, HERR;
denn du hast mich aus der Tiefe gezogen
HERR, mein Gott, als ich schrie zu dir, da machtest du mich gesund.
Lobsinget dem HERRN, ihr seine Heiligen, und preiset seinen heiligen Namen!
Denn sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade.
Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude.
Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen,
du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen und mich mit
Freude gegürtet,
dass ich dir lobsinge und nicht stille werde.
HERR, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.
Ehre sei dem Vater und den Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Gebet und Stilles Gebet: Wir beten weiter:
Herr, unser Gott, danke für die Zeit mit dir an deinem Tag!
Danke für unsere Gemeinschaft und dafür, dass du in unserer Mitte bist! Wir loben und preisen deine Güte und Barmherzigkeit.
Du weißt aber auch, was wir brauchen. Du kennst unseren Durst und Hunger nach Leben mit Sinn und Kraft. Du kennst unsere Sehnsucht und unsere Wünsche. Du weißt um alles, was in unserem Leben geknickt ist und nur noch schwach glimmt. Danke, dass wir zu dir kommen dürfen. Danke, dass du der Helfer und Arzt bist.
Darum bitten wir dich: Mach Krankes heil. Bring Krummes zurecht. Lass Sterbendes neu leben. Begegne uns in deinem Wort. Mach uns neu froh darüber, dass wir zu dir gehören dürfen. Amen
Wir beten weiter in der Stille
Herr, du erhörst Gebet; darum kommen wir zu dir. Amen.

Gottesdienst am 30.08.2020 in Ofterdingen (12. So nach Trinitatis)
Lied: EG 289,1.2.4: Nun lob, mein Seel, den Herren
1) Nun lob, mein Seel, den Herren, was in mir ist, den Namen sein. Sein Wohltat tut er mehren, vergiss es nicht, o Herze mein.
Hat dir dein Sünd vergeben und heilt dein Schwachheit groß, errett’ dein armes Leben, nimmt dich in seinen Schoß,
mit reichem Trost beschüttet, verjüngt, dem Adler gleich; der Herr schafft Recht, behütet, die leidn in seinem Reich.
2) Er hat uns wissen lassen sein herrlich Recht und sein Gericht, dazu sein Güt ohn Maßen, es mangelt an Erbarmung nicht; sein’ Zorn lässt er wohl fahren, straft nicht nach unsrer Schuld, die Gnad tut er nicht sparen, den Schwachen ist er hold;
sein Güt ist hoch erhaben ob den’, die fürchten ihn; so fern der Ost vom Abend, ist unsre Sünd dahin.
4) Die Gottesgnad alleine steht fest und bleibt in Ewigkeit bei seiner lieben G’meine, die steht in seiner Furcht bereit, die seinen Bund behalten. Er herrscht im Himmelreich.
Ihr starken Engel, waltet seins Lobs und dient zugleich dem großen Herrn zu Ehren und treibt sein heiligs Wort! Mein Seel soll auch vermehren sein Lob an allem Ort.
Predigt: Hört Gottes Wort aus dem Propheten Jesaja, Kapitel 57:
15 Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt, dessen Name heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen. 16 Denn ich will nicht immerdar hadern und nicht ewiglich zürnen; sonst würde ihr Geist vor mir verschmachten und der Lebensodem, den ich geschaffen habe. 17 Ich war zornig über die Sünde ihrer Habgier und schlug sie, verbarg mich und zürnte. Aber sie gingen treulos die Wege ihres Herzens. 18 Ihre Wege habe ich gesehen, aber ich will sie heilen und sie leiten und ihnen wieder Trost geben; und denen, die da Leid tragen, 19 will ich Frucht der Lippen schaffen. Friede, Friede denen in der Fer- ne und denen in der Nähe, spricht der HERR; ich will sie heilen.
Liebe Gemeinde!
Der junge Bauer führte seinen Gast durchs Haus, und irgendwie kamen sie auf einen größeren, hellen Fleck an der Wand zu sprechen. „Was hat es denn damit auf sich?“, wollte der Gast wissen. Der Bauer sagte: „Hier hat mein Großvater einen Bibelspruch aufgehängt, weil der Glaube an Gott sein Leben getragen hat. Mein Vater ließ den Spruch dort hängen; aber er glaubte nicht mehr da- ran. Ich habe den Spruch abgehängt, weil auch ich nicht daran glaube; aber ich würde viel darum geben, wenn ich glauben könnte wie mein Großvater. Darum also der helle Fleck an der Wand!“
1. Wo ist Gott?
„So spricht der Hohe und Erhabene, der ewig thront, dessen Name heilig ist“: Dieser Gott scheint den Menschen unserer Zeit weitgehend abhanden gekommen. Da wird gelegentlich vom christlichen Abendland, von christlichen Grundwerten gesprochen – aber wie oft sind das höchs- tens noch helle Flecke, die anzeigen, dass da früher mal mehr da war?!

Gottesdienst am 30.08.2020 in Ofterdingen (12. So nach Trinitatis)
Dieser „Hohe und Erhabene“ scheint so weit weg, dass er für sehr viele Menschen ohne jede Auswirkung in ihrem Alltag bleibt. Er kommt einfach nicht vor.
Für andere spielt dieser ferne Gott nur bei bestimmten Anlässen eine gewisse Rolle – etwa an Weihnachten, bei einer Beerdigung oder beim Gespräch mit dem Pfarrer. Für wieder andere fehlt dieser Gott ganz. Man sagt einfach, er sei tot.
Und doch: Die hellen Flecke sind nicht zu übersehen. Denn immer wieder stößt man auf die Spuren dieses Gottes. Diese hellen Flecke sind beileibe nicht nur Schönheitsfehler, sondern sie halten schmerzlich die Erinnerung wach: „Ich würde viel darum geben, wenn ich glauben könnte wie mein Großvater.“
Dass viel fehlt, wenn Gott fehlt, sieht man allein schon an der Menge der Ersatzgötter, die im Schwange sind. Der Platz Gottes kann im Leben nicht einfach leer bleiben. Fehlt Gott, dann muss etwas anderes dafür herhalten.
All dies ist nicht neu: „treulos gingen sie ihre eigenen Wege, je nach ihrem Gutdünken“ (V. 17) – so sagt der Prophet im Auftrag Gottes. Wer Gottes Weg nicht kennen gelernt hat, dem bleiben nur noch die eigenen Wege – und genau das trifft auch auf unsere heutige Situation zu. Wenn ich nur meine eigenen Ziele verfolge, wird mein Nächster fast automatisch zu meinem Konkurrenten oder Gegner – das gilt für den Einzelnen wie auch für eine ganze Nation. Der Prophet nennt das Übel beim Namen; angeprangert wird die „Sünde der Habgier“: Menschen sind eigensüchtig bestrebt, auf Kosten anderer den eigenen Wohlstand festzuhalten und auszubauen. „Hemmungsloser Kon- sumgenuss um jeden Preis“ – so könnte man das heute beschreiben.
Doch auch wenn er ferne zu sein scheint, so sieht Gott doch all dem nicht untätig zu: „Ich war zornig über die Sünde ihrer Habgier und schlug sie, verbarg mich und zürnte“ (V. 17). Die Niederla- ge gegen seine Feinde, der Untergang als Volk, die Wegführung in die babylonische Gefangen- schaft – Israel hat das als Folge von Gottes Zorn erkannt.
Merkwürdigerweise kommt auch bei uns in den Grenzfällen des Lebens Gott wieder ins Ge- spräch. In Notlagen, bei Krankheit oder Tod wird regelmäßig gefragt: „Wie kann Gott das zulas- sen?“ Diese Frage lässt sich nicht beantworten. Und es wäre völlig verkehrt, bei einem sogenann- ten „Schicksalsschlag“ einfach von der Strafe Gottes über diesen oder jenen zu sprechen. Die Menschheit lässt sich von uns nicht in Gut und Böse unterteilen. Jesus selbst hat das abgelehnt, wenn er sagt: „Meint ihr, die dreizehn vom umstürzenden Turm Erschlagenen wären größere Sün- der als alle anderen?“
Doch es lässt sich manchmal auch beobachten: Nach einer solchen Erfahrung kommt auf einmal Gott wieder vor. Manchmal wacht jemand auf und fragt sich: Wie habe ich eigentlich bisher ge- lebt? Ist der fern scheinende Gott vielleicht doch nicht so fern, wie ich immer gemeint habe? Wo ist er? Wenn eine solche Besinnung einsetzt, dann ist das sehr viel wert. Denn dann halten die Au- gen Ausschau nach einer Antwort. Und die bleibt nicht aus!
Denn wir hören in diesen Versen ein zweites:
2. Gott ist auf unerwartete Weise nahe.
„Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum – und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind.“ Der „Hohe und Erhabene“ ist also doch nahe, aber gar nicht so offenkundig, wie dies zu erwarten wäre; sondern eher verborgen, inkognito.
Israel musste befürchten: Gott hat sich von uns abgewandt – und wir wissen auch, warum! Wir haben den guten Weg mit den schützenden Leitplanken seiner Gebote verlassen. Wir haben ihm schroff den Rücken gekehrt und rücksichtslos unseren eigenen Vorteil gesucht – auf Kosten der Schwachen und Hilfsbedürftigen. Dafür bezahlen wir jetzt die Zeche.
Doch der Prophet Jesaja hat eine handfeste Überraschung anzusagen: Gott hat sich nicht ein- fach in eine himmlische Welt zurückgezogen. Ja, er wohnt „in der Höhe und im Heiligtum“; aber

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zugleich wohnt er auch bei denen mit „zerschlagenem und demütigem Geist“: also bei den nach Babylon Vertriebenen, bei den Niedergeschlagenen, die in den Trümmern Jerusalems überleben müssen, bei denen, die mit dem Seufzer resigniert haben „Es hat doch alles keinen Zweck“.
Wir hören auf dieses Prophetenwort an Israel heute als Christus-Gemeinde; denn Jesus greift genau diesen Ausdruck auf. In den Seligpreisungen der Bergpredigt sagt er als allererstes: „Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihnen gehört das Himmelreich“ (Mt 5,3). Jesus hat das allen verkündigt; er hat es als der Arzt und Helfer gezeigt: Der lebendige Gott eilt den Hilfsbedürftigen zu Hilfe. Er hat ein Herz für die schwer Belasteten. Er sieht auf die Ausgestoßenen, von denen sich die anderen schon abgewandt haben. Wo die Hoffnungslosigkeit Einzug gehalten hat, dort belebt Gott wieder und schenkt neues Leben: „Ich belebe den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen“ (V. 15).
Um das zu verdeutlichen, malte ein indischer Pastor seinen Zuhörern ein eindrucksvolles Bild vor Augen: „Stellt euch vor“, sagte er, „alle Menschen, die je auf dieser Erde gelebt haben, würden in einer einzigen Reihe hintereinander aufgestellt werden: Vorne die Berühmten, die Mächtigen, die Reichen. Dann folgen die Mittelmäßigen, die Normalbürger. Und schließlich wären da noch die Unbedeutenden, die Unbekannten, die Armen, bis hin zu den Allerärmsten in unseren Slums, die unter einem Pappkarton auf dem Gehweg dahinvegetieren. Wenn du nun diese riesige Men- schenkette vor dir siehst und darin nach Jesus suchst – wo würdest du ihn finden?“ Und er gab selbst die Antwort: „Du würdest ihm begegnen at the end of the line, ganz am Ende der Reihe!“
Das ist die Art des Gottes, den uns Jesus Christus bekannt macht: Er beugt sich herab zum aller- letzten Menschen und lädt ihn zu sich ein. Niemand hat einen Grund, sich von ihm ausgeschlossen zu fühlen.
Wer mag denn nun bei uns zu denen mit „zerschlagenem und demütigem Geist“ gehören?
Ich denke an den Mann, der in den Teufelskreis von Arbeitslosigkeit und Alkohol geraten ist. Er sagt: „Ich weiß genau, ich darf zuhause nicht rumsitzen; ich muss sofort etwas anfangen, wenn ich morgens rauskomme. Aber dann packt mich wieder die Niedergeschlagenheit.“ Ein Zerschlagener – Gott wohnt bei solchen Zerschlagenen.
Oder ich denken an den Anderen, der glauben möchte, aber sich immer wieder sagt: „Du hast zu viele Zweifel; du passt da gar nicht hin; du hast dir schon zu viel zuschulden kommen lassen.“ Ein Gedemütigter – Gott wohnt bei solchen Gedemütigten.
Ihnen allen und zugleich auch uns allen sagt Jesus: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch neu beleben!“
Der Hohe und Erhabene – kommt denen im Elend und Schatten ganz nahe. Diese göttliche Weisheit widerspricht allem, was uns als Menschen vertraut ist und einleuchtet. Doch genau das ist Gottes Markenzeichen. Und er möchte, dass wir ihm das glauben, ihm vertrauen, dass er genau so handelt. Wer in der Not Gottes Beistand erfährt, weiß genau: Diese Hilfe habe ich nicht mir selbst zuzuschreiben. Sie ist vielmehr Geschenk, ganz unverdient. Und so haben wir dann allen Grund, um den zu loben, der sich über uns erbarmt hat: Gott, unseren Schöpfer, unseren Helfer, unseren Arzt.
Das ist nun das Dritte:
3. Gottes Nähe hat Folgen.
„Ich will sie heilen und sie leiten und ihnen wieder Trost geben; und denen, die da Leid tragen, will ich Frucht der Lippen schaffen. Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der Herr; ich will sie heilen“ (V. 18f.).
Es gibt immer wieder Grund, staunend den Kopf zu schütteln: Dass Gott so mit seinem Volk umgeht! Er macht sein Volk heil. Obwohl dort keine Anzeichen einer Besserung zu erkennen wa- ren, greift Gott heilend ein. Und erst recht haben wir Grund zum staunenden Kopfschütteln: So geht Gott mit uns um! Paulus nimmt Gottes Zusage vom Propheten Jesaja auf und sagt: „Jesus

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Christus ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren“ (Eph 2,17).
Wenn der Friede zwischen Völkern gestört ist, dann hat das schlimme Folgen für alle Bewohner. Wenn der Friede in der Beziehung zwischen Menschen zerbrochen ist, dann kann einem der Schmerz das Herz zerreißen. Wenn aber unsere Beziehung zum lebendigen Gott zerstört ist, dann leben wir wie ein Fisch auf dem Trockenen und wie eine Schnittblume, die von der lebensnotwen- digen Wurzel getrennt ist.
Nun aber ist das Evangelium von Jesus Christus die frohe Botschaft: Es ist Friede mit Gott! Er hat sein Leben für alle dahingegeben, damit wir nicht in der Gottesferne zu Tode kommen. Er nimmt die niederdrückende Bürde von Sünde und Schuld ab, damit wir entlastet werden. Er belebt die Niedergeschlagenen, weil er unsere lebendige Hoffnung ist. Wir können neuen Atem schöpfen und aufatmen. Wo sein Friede unser Leben erfasst, da wirkt sich das auf unsere ganze Person, auf den gesamten Körper aus: Freude macht sich breit, weil er uns liebt. Wir haben allen Grund, ihm zu danken und ihn zu loben, weil er gut zu uns ist.
„Fürchte dich nicht! Dir sind deine Sünden vergeben! Friede sie mit dir!“ Das ist das Evangelium von Jesus Christus, die gute Botschaft, die uns befreit und mit dem lebendigen Gott in Verbindung bringt. Sie macht unser Leben heil. Das gilt sogar dort, wo unsere körperlichen Beschwerden fort- dauern, und Krankheit, Sterben und Tod uns schwer zu schaffen machen. „Wer will uns trennen von Jesus Christus und seiner Liebe?“ fragt Paulus. Er zählt alles auf, was uns bedrängt und an Got- tes Liebe zweifeln lassen könnte: Leiden, Angst und Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahren für Leib und Leben oder gar die Hinrichtung (Rö 8,35). Gegenüber all dem ruft er aus: „Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben noch irgend etwas anderes uns trennen kann von der Liebe Gottes, die sich in Jesus Christus gezeigt hat“ (vgl. Rö 8,38f). Seine Hand hält uns fest in unserem Leben und trägt uns durch den Tod in seine Ewigkeit. Das ist die Macht seines Friedens, der all unser Be- greifen und Verstehen übersteigt.
„Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe“: Wo die Friedensbotschaft von Jesus Christus Einzug gehalten hat, hat das Folgen; denn dieser Friede wächst nach außen (Manfred Sie- bald). Er breitet sich aus zu den Menschen, mit denen ich zusammenlebe. Friede mit Gott und Friede zwischen Menschen – das lässt sich nicht voneinander trennen. Bedenken Sie doch: Gott schließt mich in seine Arme – und ich sollte meinem Nächsten die kalte Schulter zeigen?! Gott be- schenkt mich mit seiner Fülle – und ich sollte dem Bedürftigen gegenüber die Hand verschließen?! Gott beglückt mich mit seiner Vergebung und einem neuen Anfang – und ich sollte meinem Nächs- ten gegenüber mein Herz hart machen?! Das passt nicht zusammen! Gottes Frieden, seine Freund- lichkeit, seine Güte breiten sich aus in ganz kleinen Zeichen von Zuwendung und Herzlichkeit, mit- ten im Alltag.
Schluss:
Wer in Jesus Christus dem lebendigen Gott begegnet, für den ist Gott nicht mehr nur ein heller Fleck an der Wand, der von vergangenen Erfahrungen zeugt. Für den ist er vielmehr der, der hier und heute unser Leben zurecht bringt, Wunden heilt, Friede mit ihm schenkt. Das beschränkt sich nun nicht nur auf unser eigenes Leben. Mein Bruder, meine Schwester, mein naher und ferner Nächster gehören hier dazu. Denn das Evangelium, der Friede mit Gott drängt geradewegs zum Frieden mit meinem Nächsten. Und das bewegt uns dann dazu, gemeinsam diesen Gott zu loben, der in der Höhe wohnt und sich trotzdem unser annimmt – als der Arzt, als der Tröster, als der Retter. Amen.

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Lied nach der Predigt: EG 379,1+5: Gott wohnt in einem Lichte
1) Gott wohnt in einem Lichte, dem keiner nahen kann. Von seinem Angesichte trennt uns der Sünde Bann. Unsterblich und gewaltig ist unser Gott allein,
will König tausendfaltig, Herr aller Herren sein.
5) Nun darfst du in ihm leben und bist nie mehr allein, darfst in ihm atmen, weben und immer bei ihm sein. Den keiner je gesehen noch künftig sehen kann,
will dir zur Seite gehen und führt dich himmelan.
Fürbittengebet und Vaterunser:
Herr, unser Gott, du hättest es nicht nötig, dich um uns Menschen zu kümmern. Wie oft haben wir nur Augen für unseren eigenen Weg und unsere eigenen Interessen und wundern uns dann, wenn wir in der Sackgasse landen. Wir danken dir, dass du trotzdem nach uns Ausschau hältst und uns auf deinen Weg ziehst. Wir loben dich, dass du dich als der Arzt ohne Grenzen gerade den Verlas- senen und Zerschlagenen zuwendest und sie heilst. Danke für das Evangelium des Friedens, das in Jesus Christus hörbar und sichtbar geworden ist.
Darum bitten wir dich nun: Lass diese göttliche Friedensbotschaft dort laut werden, wo Streit, Hass und Krieg herrscht: In den Ländern im Nahen Osten, in Afrika und in Südamerika, die uns im- mer wieder in den Nachrichten schmerzlich vor Augen geführt werden. Aber dann auch in zerbro- chenen Beziehungen zwischen Ehepartnern, Eltern und Kindern, Verwandten, Nachbarn, Kollegen: Heile du, was uns unheilbar scheinen mag. Erfülle mit deinem Trost und Frieden auch die Einsa- men und Abgehängten, die Altgewordenen, die Kranken, Sterbenden und Trauernden. Sei auch bei all denen, die in diesen Zeiten vor einer ungewissen beruflichen Zukunft stehen und lass sie deine belebende Nähe und Hilfe erfahren. Sei mit deiner Christen-Gemeinde an allen Orten und mach sie und uns zu Boten deiner Rettung und deines Lebens. Halte sie und uns miteinander fest im Ver- trauen zu dir und lass uns dich gemeinsam loben als den großen Arzt und Retter der ganzen Welt. Amen. - Wir beten gemeinsam:
Vaterunser
Lied: EG 306,1-4: Singt das Lied der Freude
1. Singt das Lied der Freude, der Freude über Gott! Lobt ihn laut, der euch erschaffen hat.
Preist ihn, helle Sterne, lobt ihn, Sonne, Mond, auch im Weltall ferne seine Ehre wohnt.
2. Singt das Lied der Freude, der Freude über Gott! Lobt ihn laut, der euch erschaffen hat.
Preist ihn, ihr Gewitter, Hagel, Schnee und Wind. Lobt ihn, alle Tiere, die auf Erden sind.
3. Singt das Lied der Freude, der Freude über Gott!
Lobt ihn laut, der euch erschaffen hat.
Stimmt mit ein, ihr Menschen, preist ihn, groß und klein, seine Hoheit rühmen soll ein Fest euch sein.

Gottesdienst am 30.08.2020 in Ofterdingen (12. So nach Trinitatis)
4. Singt das Lied der Freude, der Freude über Gott! Lobt ihn laut, der euch erschaffen hat.
Er wird Kraft uns geben, Glanz und Licht wird sein, in das dunkle Leben leuchtet hell sein Schein:
Singt das Lied der Freude, der Freude über Gott! Lobt ihn laut, der euch erschaffen hat.
Ansagen Segen
Geht in diesen Tag und in die neue Woche im Frieden und unter dem Segen des Herrn:
Der HERR segne dich und behüte dich,
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, der HERR erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Amen.