25.04.21

Gottesdienst zum Selberfeiern

Gottesdienst am 25.04.2021 in Ofterdingen (Jubilate)
https://www.mauritiuskirche-ofterdingen.de/fileadmin/mediapool/gemeinden/KG_ofterdingen/pdf/2021_04_25_Gottesdienst_zum_Selberfeiern.pdf

Glockenläuten
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Begrüßung und Eröffnung
Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Kor 5,17) Mit dem Wochenspruch zum heutigen Sonntag grüße ich Sie, liebe Gemeinde Zuhause, ganz herzlich zum Gottesdienst!
Ich hoffe, es geht Ihnen gut, Sie sind gesund und haben Ihre Zuversicht weiterhin nicht verloren!
Wie sieht Gott eigentlich aus? Warum verhält er sich so, wie er es tut? Warum ist er mir manchmal fremd? Anklänge von Antworten hören wir später in der Predigt.
Wir beten mit Worten aus Psalm 66.
Ps 66 (NL 904)
Jauchzet Gott, alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich!
Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke! Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.
Alles Land bete dich an und lobsinge dir, lobsinge deinem Namen.
Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.
Er verwandelte das Meer in trockenes Land, sie gingen zu Fuß durch den Strom; dort wollen wir uns seiner freuen.
Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich, seine Augen schauen auf die Völker. Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.
Lobet, ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen,
der unsre Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Gebet und Stilles Gebet
Großer Gott,
danke für die Sonne! Danke, dass wir heute Gottesdienst feiern dürfen, trotz aller widrigen Umstände!
Wir freuen uns über den Frühling, über das Leben, das uns in der ganzen Vielfalt der Formen, Farben und Düfte umgibt.
Sei heute in unserer Mitte und schenke uns Gemeinschaft, über Mauern und Zäune hinweg!
Schenk uns gute Gedanken und gib uns Mut für unseren Alltag.
Dir vertrauen wir uns an und werden stille vor dir. Stille –
Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Amen.
Lied: EG 504,1-6 Himmel, Erde, Luft und Meer
1. Himmel, Erde, Luft und Meer zeugen von des Schöpfers Ehr;
meine Seele, singe du, bring auch jetzt dein Lob herzu.
2. Seht das große Sonnenlicht, wie es durch die Wolken bricht;
auch der Mond, der Sterne Pracht jauchzen Gott bei stiller Nacht.
3. Seht, wie Gott der Erde Ball hat gezieret überall.
Wälder, Felder, jedes Tier zeigen Gottes Finger hier.
4. Seht, wie fliegt der Vögel Schar in den Lüften Paar bei Paar.
Blitz und Donner, Hagel, Wind seines Willens Diener sind.
5. Seht der Wasserwellen Lauf, wie sie steigen ab und auf;
von der Quelle bis zum Meer rauschen sie des Schöpfers Ehr.
6. Ach mein Gott, wie wunderbar stellst du dich der Seele dar!
Drücke stets in meinen Sinn, was du bist und was ich bin.
Predigt
Stellen Sie sich vor: Sie organisieren ein großes Fest. Sie bestellen leckeres Essen, dekorieren fleißig, schreiben Einladungen und erstellen Sitzpläne. Dann kommt der große Tag – und da steht jemand mit sturmbewölktem Gesicht. Eine Tante, ein grußworthaltender Bürgermeister oder Ähnliches. Und Ihnen fällt siedend heiß ein: sein Name steht nirgendwo auf dem Sitzplan. Sie haben ihn oder sie vergessen! So etwas wieder gerade zu biegen ist nicht einfach. Besser, man hat schon vorher einen Plan für eine solche Situation.
Die schlauen Bürger von Athen hatten einen solchen Plan. Im griechischen Götter-Pantheon gibt es wirklich unzählige Götter. Götter der Jagd und der Schönheit, der Natur und des Meeres, der Finsternis und der Morgenröte. Und man stelle sich vor: da gibt es einen, der vergessen wird. Der wäre vermutlich richtig wütend. Also besser vorbereitet sein und jemanden verehren, über den man gar nichts weiß. Und so stellen sie einen Altar auf und beschriften ihn mit: dem unbekannten Gott.
Der vorüberlaufende Paulus findet das eine gute Idee, und er macht etwas daraus. Wir lesen den Predigttext aus Apostelgeschichte 17.
Paulus stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht. Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat. Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. So ging Paulus weg aus ihrer Mitte. Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.
Die Griechen haben so viele Götter. Einer davon ist ihnen unbekannt. Wenn ich genauer darüber nachdenke, finde ich das gar nicht seltsam, sondern eigentlich ziemlich ehrlich, und sehr verständlich.
Die Götter der Griechen waren ihnen vielleicht etwas näher, als wenn wir an „Gott“ denken. Sie waren irgendwie kleiner, menschlicher, für ganz bestimmte Lebensbereiche zuständig. Sie waren wütend, verliebt, eifersüchtig und besserwisserisch. Aber durch ihre schiere Anzahl ist man doch wieder überfordert. Ich vermute: selbst die Griechen kannten kaum alle Eigenheiten ihrer vielen Götter.
Wenn es um Gott, um Götter geht, zeigt sich: Gott, das bedeutet immer auch Macht, Größe, Fremdheit, Unverfügbarkeit. Im Letzten bleibt uns Gott immer entzogen mit seiner Art, seinen Entscheidungen, dem Sinn unseres und allen Lebens. Vermutlich sollten wir alle uns davon angesprochen fühlen. Denn selbst dem größten Gottkenner hier, dem schlausten Theologen oder dem inbrünstigsten Beter – ist unser Gott im allerletzten unbekannt. Er übersteigt unser aller Wissen und Denken, seine Wege sind unergründlich. Solche Formulierungen finden sich haufenweise in der Bibel.
Doch Paulus macht den unbekannten Gott jetzt bekannt. Er knüpft am Glauben und der Lebenssituation der Athener an und erklärt ihn von dort ausgehend. Gott, der unbekannte Gott, das ist der, der die Welt gemacht hat. Und er ist größer als wir uns vorstellen können.
Er wohnt nicht einfach in einem menschlichen Gebäude, so groß und schön es auch sein mag. Er braucht noch nicht einmal menschliche Diener – er ist so groß, wie könnte man ihm auch überhaupt richtig dienen? Sein Göttlich-Sein hat auch nichts mit Gold oder edlem Schmuck zu tun. Paulus sagt also: Ihr denkt Gott viel zu klein! Er lässt sich nicht so leicht in eine Schublade stecken – in keinen goldenen Kelch und in keinen Tempel. Für all das ist er viel zu groß!
Dieser unbekannte Gott, der hat den Menschen gemacht. Er hat dem Menschen Grenzen gesetzt: in seiner Größe, seinem Alter, seiner Macht. Und er hat dem Menschen eine Sehnsucht nach ihm ins Herz gelegt. Sie gehört, so Paulus, zum Menschen dazu, diese Frage: wo ist Gott? Wie kann ich ihn verstehen, ihm näherkommen?
Und jetzt sagt Paulus: dieser Gott ist zwar groß und unergründlich, aber trotz alldem ist er nicht ferne, im Gegenteil: er ist uns ganz nah. In ihm leben, weben und sind wir. In ihm leben wir, bewegen wir uns und existieren, könnte man auch übersetzen. Ein Zitat des Aratos von Soloi, der auch in Athen gelebt hat und dessen Werke das Wissen der damaligen Welt sehr beeinflusst haben. Damit können die Athener also was anfangen!
Und jetzt, sagt Paulus, wird es wichtig. Gott hat Verständnis für alle Unwissenheit, für alle Fragen und Zweifel. Doch diese Zeit der Fragen ist nun vorbei. Denn jetzt sollen wir „Buße tun“, so die Luther-Übersetzung. Vom Griechischen her und auch für die Athener natürlich bedeutet das Wort eigentlich etwas anderes: metano,ew, ganz wörtlich übersetzt: um-denken! Für die gebildeten Athener verständlich, aber schwer genug.
Umdenken: jetzt hat Gott mit Jesus sich selbst geschickt. Jemanden, der vollmächtig geredet, Wunder vollbracht, der selbst den Tod besiegt hat. Das muss doch jetzt Beweis genug sein! Und, das kennen wir bis heute: selbst das ist nicht Beweis genug. Auch in Athen haben die Menschen angefangen zu spotten: „Jaja, erzähl uns doch keine Märchen!“
Manche zumindest. Andere sind nachdenklich geworden. Sie wollen weiter zuhören und weiter nachdenken.
Ich finde diese Geschichte beruhigend. Sie zeigt mir: selbst die schlauesten Menschen können Gott nicht einfach so verstehen. Es liegt alles da, doch die Fragen und die Zweifel können bleiben. Manchmal ist mir Gott unbekannt. Aber: ich darf weitergehen. Gott zeigt sich, er gibt uns seinen Geist ins Herz. Nicht, dass damit immer alles klar wäre: „Ach, das ist also mein Lebenssinn, deshalb ist dies und jenes passiert!“ Manchmal ja, das ist wunderbar, und manchmal nein. Aber Gott ist in all dem ganz, ganz nah bei mir. Er holt mich ab, wo ich nunmal gerade stehe. Er hilft mir umzudenken, weiterzudenken. Und er will mich von dortaus mitnehmen auf die Reise mit ihm.
Manche haben sich überzeugen lassen von Paulus und seiner Rede über Gott, der nun kein unbekannter Gott mehr ist. Sondern er hat sich gezeigt, und die Nähe der Menschen gesucht. Die sind nicht einmal würdig seine Schuhe zu binden. Und doch läuft er ihnen hinterher. Bis nach Athen, in die Stadt der tausend Götter.
Gott reiht sich ein in eine ellenlange Reihe von Göttern und stellt sich hinten an. Er knüpft da an, wo Menschen ihn kennenlernen können. Weit weg von den sonstigen Botschaften der Bibel. Weniger mit Macht und Wundern, mehr mit einem kleinen Impuls: ich bin euch noch unbekannt, sagt er. Aber das möchte ich ändern. Lernt mich kennen, ich bin direkt bei euch, ich zeige mich euch.
Paulus weiß wirklich viel über Gott. Aus seiner Ausbildung, aus seinen Erfahrungen mit dem Auferstandenen. Er könnte mit Geboten kommen, mit Bibelversen über machtlose Götzen, mit Wundergeschichten.
Aber er entscheidet sich dafür, direkt an dem anzuknüpfen, was die Athener sind und sehen. An ihren Götzen. Als wäre Gott einfach nur einer von denen!
Aber wenn man nicht die gleiche Sprache spricht wie das Gegenüber, wie sollte es mich verstehen? Dieses Anknüpfen, das ist so wichtig. Das Zitat mit dem Weben ist ein Beispiel dafür – ein bekannter Satz für die kundigen Athener. Das waren die Worte der Dichter und Denker ihrer Zeit, ursprünglich sogar dem Göttervater Zeus gewidmet.
Von hier geht Paulus dann weiter. Die Basis ist geschaffen, jetzt wird es konkret. Aber selbst damit schafft er es eben nicht, alle zu Tränen zu rühren und zu bekehren, sondern viele wenden sich ab. Nur ein paar werden (immerhin) nachdenklich. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Paulus hat gesät. Der Same wird bei manchen aufgehen, bei anderen nicht. Aber ein Grundstock ist gelegt. Gott, selbst wenn er mir gerade so fern und unbekannt scheint, wie es nur sein kann, macht sich bekannt, und er ist mir nah. Selbst wenn mein Verstand und mein Herz das nicht richtig begreifen können. Gott lässt darin nicht nach. Und das möchte ich mir ins Herz schreiben und es mitnehmen auf meinen Weg.
Und eines Tages, am Ziel, wird es dann so sein, wie es Jeremia beschreibt: Das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Sie alle sollen mich erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken. (Jer 31,33f)
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied: EG 337 Lobet und preiset ihr Völker den Herrn (Kanon)
Lobet und preiset, ihr Völker, den Herrn, freuet euch seiner und dienet ihm gern. All ihr Völker, lobet den Herrn.

Fürbittgebet und Vaterunser
Barmherziger Gott,
Danke, dass du uns in deinem Sohn Jesus nahe gekommen bist! Dass wir mehr über dich lernen können und dass du uns immer wieder Aha-Erlebnisse schenkst!
Manchmal bist du uns aber auch fremd. Wir verstehen dich nicht, fragen uns, welcher Sinn eigentlich hinter allem steckt.
Dann schenk uns deinen Geist. Schenk uns Antworten, und vor allem: lass uns ruhig werden und lernen dir zu vertrauen.
Bei dir dürfen wir geborgen sein, in unseren Fragen und Zweifeln, und auch auf unseren Irrwegen.
Seit dem Ostermorgen haben wir eine lebendige Hoffnung, die über den Tod hinausreicht. Eine Hoffnung, die unser Verstehen und Begreifen weit übersteigt. Lass diese Hoffnung als kleine Flamme in uns brennen, die uns wärmt und unser Gemüt erhellt, auch wenn um uns herum alles schief zu gehen scheint.
Stärke uns durch diese Hoffnung in unserem Glauben, dass wir auch in schweren Zeiten auf dich und deine Gnade vertrauen können und wissen: Du bist für uns da, du lässt uns nicht im Stich sondern holst uns zu dir, in deine Liebe und Geborgenheit.
Bitte gib uns in der kommenden Woche Mut und Kraft für all die Planungen und Aufgaben, die vor uns liegen. Schenk uns Freude an unserer Arbeit und gib uns genug Momente, in denen wir Atem holen und auftanken können.
Großer Gott, dir vertrauen wir, und gemeinsam beten wir zu dir: Vater unser…

Lied: NL 186,1-3 Ob ich sitze oder stehe
1.Ob ich sitze oder stehe. Ob ich liege oder gehe, bist du Gott. Bist du Gott, bei mir.
Ob ich schlafe oder wache. Ob ich weine oder lache. Bleibst du Gott, bleibst du Gott, bei mir.

Refrain: Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir, und hältst deine Hand über mir.

2.Dass ich wachse, blühe, reife, dass ich lerne und begreife, bist du Gott, bist du Gott, bei mir.
Dass ich finde wenn ich suche, dass ich segne nicht verfluche. Bleibst du Gott, bleibst du Gott, bei mir.
Refrain
3.Wo ich sitze oder stehe, wo ich liege oder gehe, bist du Gott bei mir.
Dass ich dein bin, nicht verderbe, ob ich liege oder sterbe, bleibst du Gott bei mir.
Refrain

Ansagen
Segen
Und nun gehen wir aus diesem Gottesdienst, zurück in den Alltag, unter dem Segen Gottes.

Der HERR segne uns und behüte uns,
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,
der HERR erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen.

Musik zum Ausgang: Geh aus, mein Herz, und suche Freud