23.08.20

Gottesdienst zum Selberfeiern

https://www.mauritiuskirche-ofterdingen.de/fileadmin/mediapool/gemeinden/KG_ofterdingen/pdf/2020_08_23_Gottesdienst_zum_Selberfeiern.pdf

Glockenläuten
Votum
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.
Begrüßung und Eröffnung
Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. (1. Petr 5,5b) Mit dem Wochenspruch aus dem 1. Petrusbrief grüße ich Sie herzlich heute zum Gottesdienst! Schön, dass Sie gekommen sind!
Heute haben wir eine sehr schöne Geschichte als Predigttext. Sie handelt von Hochmut und Demut, von Schubladendenken und Vorurteilen. Lassen wir uns davon herausfordern!

Doch zuerst wollen wir beten mit Worten aus Psalm 145.
Psalm 145 (EG 756)
Ich will dich erheben, mein Gott, du König,
und deinen Namen loben immer und ewiglich.
Der Herr ist groß und sehr zu loben,
und seine Größe ist unausforschlich.
Kindeskinder werden deine Werke preisen
und deine gewaltigen Taten verkündigen.
Gnädig und barmherzig ist der Herr,
geduldig und von großer Güte.
Dein Reich ist ein ewiges Reich,
und deine Herrschaft währet für und für.
Der Herr ist getreu in all seinen Worten
und gnädig in allen seinen Werken.
Der Herr hält alle, die da fallen,
und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.
Aller Augen warten auf dich,
und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.
Du tust deine Hand auf
und sättigst alles, was lebt, nach deinem Wohlgefallen.
Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen,
allen, die ihn ernstlich anrufen.
Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren,
und hört ihr Schreien und hilft ihnen.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Gebet und Stilles Gebet
Guter Gott,
bei dir dürfen wir geborgen und sicher sein. Du hältst uns und begleitest uns.
Schenke uns heute einen Augenblick der Ruhe. Gib uns offene Ohren und gute Gedanken und lass uns ermutigt und gestärkt in den Tag gehen.
Wir werden still und vertrauen dir an, was uns bewegt. Stille
Gelobt sein Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mit wendet. Amen.

Lied: EG 166,1-4 Tut mir auf die schöne Pforte
1) Tut mir auf die schöne Pforte, / führt in Gottes Haus mich ein;
ach wie wird an diesem Orte / meine Seele fröhlich sein!
Hier ist Gottes Angesicht, / hier ist lauter Trost und Licht.
2) Ich bin, Herr, zu dir gekommen, / komme du nun auch zu mir.
Wo du Wohnung hast genommen, / da ist lauter Himmel hier.
Zieh in meinem Herzen ein, / lass es deinen Tempel sein.
3) Lass in Furcht mich vor dich treten, / heilige du Leib und Geist,
dass mein Singen und mein Beten / ein gefällig Opfer heißt.
Heilige du Mund und Ohr, / zieh das Herze ganz empor.
4) Mache mich zum guten Lande, / wenn dein Samkorn auf mich fällt.
Gib mir Licht in dem Verstande / und, was mir wird vorgestellt,
präge du im Herzen ein, / lass es mir zur Frucht gedeihn.

Predigt
Heute dürfen wir uns selbst erfinden! Stunde Null: Sie haben die Wahl! Zwei Persönlichkeitsmodelle liegen vor Ihnen, und Sie dürfen sich entscheiden. Ob Sie wirklich richtig stehn, sehn Sie dann, wenn das Licht angeht. Am Ende erweist sich, ob Ihre Wahl die richtige war. Aber keine Sorge, ein bisschen Entscheidungshilfe gibt es heute natürlich noch! Und zwar mit dem Predigttext. Ich lese aus Lukas 18 (Lk 18,9-14).
Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis:
Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.
Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.
Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!
Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.
Zöllner oder Pharisäer? Was für eine Wahl!
Die Pharisäer: die Frommen, gelehrten Juden aus der Zeit Jesu. Sie waren gerade für die einfachen Bewohner des Landes Vorbilder in Glauben und Leben. Sie waren Fachleute für die Auslegung der Tora, die wir die 5 Bücher Mose nennen. Man fragte sie als Lehrer, als „Rabbis“, wenn man sich zum Beispiel fragte: wie kann ich in meinem Alltag gottgemäß leben? So viel sich Jesus im Neuen Testament mit ihnen auch negativ auseinandersetzt hat: eigentlich ist er ihnen in vielem ziemlich ähnlich. Ganz im Gegenteil zu diesen hochgeschätzten Männern (genau: nur Männern) waren die Zöllner. Im Auftrag der Staatsmacht, damals also der verhassten römischen Besatzer, treiben sie Steuern ein. Und dabei wirtschafteten sie oft in die eigene Tasche. Sie waren im Volk so unbeliebt und verachtet, dass sie vor Gericht nicht einmal als Zeugen akzeptiert wurden.
Nach dieser kurzen Beschreibung ist die Verteilung der Sympathiepunkte ganz klar, oder? Wer will schon ein betrügerischer Zöllner sein? Die Wahl fällt auch bei Ihnen sicherlich auf den hoch angesehenen und gesetzestreuen Pharisäer.
Zöllner oder Pharisäer?
Auch, wenn wir in unsere Geschichte schauen: auf den ersten Blick bestätigt sich diese Wahl. Der Pharisäer verhält sich doch großartig! Er spendet, und er fastet. Und wer hier im Raum gibt den zehnten Teil seines Gehalts? Ich kenne kaum solche Personen. Also: Hut ab! Der Zöllner dagegen macht es sich einfach. Er verhält sich sein Leben lang egoistisch und meint dann, mit einem kurzen Gebet sei alles wie weggeblasen. Schämen sollte er sich!
Doch Jesus, der Geschichtenerzähler, fordert uns auf hinter die Kulissen zu blicken.
Das Entscheidende hier wird uns im Rahmen der Geschichte vorgegeben: beide Personen wissen das alles von sich. Der Pharisäer hier ist überzeugt von sich, der Zöllner ist überzeugt von seiner Unzulänglichkeit. Der Pharisäer hat es sich gewiss mühsam verdient, so hoch angesehen zu sein mit seinem Beten und seinem Fasten. Er selbst hegt daran jedenfalls keinen Zweifel: auch Gott weiß das. Er hat es sich verdient gelobt zu werden.
Ein anständiger Pharisäer kostet ungefähr 3,50 Euro. Ich rede natürlich von dem Getränk, das ursprünglich aus Nordfriesland kommt. Hinein gehört ein gehöriger Schuss Rum, und zur Tarnung dann etwas Kaffee drüber und eine Haube aus Schlagsahne. Angeblich wurde der Pharisäer erfunden, um einen sehr strengen Pfarrer hinters Licht zu führen. Was anderes scheinen als sein. Wasser predigen und Wein trinken. Das ist der Pharisäer. Ein arroganter Heuchler. Gut, dass Jesus diese Leute mal so richtig vorgeführt hat!
Ganz anders der Zöllner. Der nämlich bleibt hinten stehen. Er fühlt sich fremd im Hause Gottes, fehl am Platze. Als ob er gerade da hinten im Schatten stehen würde! Er wagt es noch nicht einmal, seine Augen vom Boden zu erheben. Er weiß, dass er nichts verdient. Er ist kein Gerechter, und wenn er etwas von Gott erwartet, dann ist es kein Lob, sondern eine Strafe.
„Sei mir Sünder gnädig“, betet er. Ich stelle mir vor: so richtig aus der Tiefe seines Herzens. Seine Formulierung geht uns heute vielleicht nur schwer über die Lippen. Sie klingt ja etwas altbacken nach Strafe, nach Betteln, nach Winseln um Gnade. Das liegt wohl auch daran, dass sich unser Sprachempfinden im Laufe der Jahrhunderte geändert hat. Aber auf die genauen Worte kommt es sowieso nicht an. Er hätte auch sagen können: „Lass mich nicht im Stich“. „Gott, ich brauch dich“. Jedenfalls: ein einfacher Satz, unglücklich und etwas hilflos, aber ehrlich gemeint.
Zöllner oder Pharisäer?
So klingt das gleich ganz anders. Hier wird alles auf den Kopf gestellt. Der in jeder Hinsicht Bessere verdient sich bei Gott keinen Blumentopf, der in jeder Hinsicht Verachtenswerte wird dagegen angenommen und erhöht. Der Pharisäer, allein schon, weil er ein Pharisäer ist, hat er einen guten Ruf: fromm, gelehrt, einfach bewundernswert. Dagegen der Zöllner: ein Opportunist, der für die verhasste Besatzungsmacht Steuern eintreibt. Geldgierig, korrupt, egoistisch. Mit Ansage hat Jesus den Spieß umgedreht. Er hält nichts von unserem Schubladendenken. Er schaut den Menschen ins Herz, und gerade das Verachtete, das achtet er hoch.
Und doch ist es für mich an der Zeit, 2000 Jahre später, diese klare Zuordnung noch einmal zu hinterfragen.
Durch jahrhundertelange Beschäftigung mit diesen beiden biblischen Gruppen scheint es mir nämlich, als wären bei uns die Vorurteile heute andersrum: der Pharisäer: der verknöcherte alte Mann, stur und nur auf Regeln fixiert, abgehoben und fern der Lebenswirklichkeit; und der Zöllner, in seinem Innersten arm, allein und hungrig nach Liebe. Die Verachtung von Pharisäern wurde im Christentum über viele Jahre kultiviert, ein dankbares Ziel auch für den Antisemitismus. Für uns sollte das Gleichnis heute also fast schon anders herum erzählt werden! Denn Jesus will ja dazu provozieren: Eben nicht auf den äußeren Schein zu sehen; sich selbst nicht zu erhöhen und andere nicht abzuwerten.
Das ist etwas, das wir uns nicht oft genug vor Augen führen können: Gott sieht nicht auf unseren Beruf, er sieht nicht auf unsere Kleidung oder auf unseren Ruf bei anderen Menschen. Er blickt tiefer, und das sollten wir ihm nachtun. Auch hier im Ort. Habe ich einmal den Impuls, mich von jemandem abzuwenden, habe ich mir über jemanden schon ein Urteil gebildet, vielleicht gemeinsam mit dem ganzen Ort? Ein Grund mehr, das sofort wieder über den Haufen zu werfen und ihn mit neuen Augen, mit Gottes Augen anzusehen.
In Gottes Haus hat jeder und jede Platz. Niemand von uns hat das Recht, irgendjemanden diesen Platz streitig zu machen oder gar zu beurteilen, wer würdig ist hierherzu kommen. In Gottes Haus sind alle herzlich willkommen, der Pharisäer, der Zöllner, die Frommen, die Suchenden, die Zweifelnden, die Unzufriedenen, die Dankbaren, die Schuldig gewordenen, die, deren Leben ein einziger kaputter Scherbenhaufen ist.
Ob Zöllner oder Pharisäer: Gott kennt unsere Leistungen sehr genau, und genauso gut kennt er auch unser Versagen. Wir brauchen uns vor Gott nicht loben, aber immer und zu jeder Zeit dürfen wir uns ihm nähern. Mit dem, was sind und haben, und mit dem, was uns fehlt und was wir schwer mit uns herumtragen.
Und dann ist es wie eigentlich immer bei Gott: alles wird umgekehrt. „Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.“ Aus klein wird groß – und aus groß wird klein. Sogar ein Pharisäer kann mal daneben liegen und sich selbstgerecht verhalten; sogar ein Zöllner kann Reue zeigen, sich seiner Schuld bewusst werden, sie Gott hinlegen und umkehren.
Beide sind sie noch nicht fertig, beide sind und bleiben sie auf Gottes liebevolle Zuwendung angewiesen. Genau wie du und ich. Keiner hat Grund oder Recht, sich anderen dabei überlegen zu fühlen. Das würde erst so richtig zeigen, was sowieso gilt: wir alle sind noch auf dem Weg.
Wie Martin Luther gesagt hat: “Das christliche Leben ist nicht Frommsein, sondern Frommwerden, nicht Gesundheit, sondern ein Gesundwerden, nicht Sein, sondern ein Werden, nicht Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind’s noch nicht, wir werden’s aber sein.“ Und dazu helfe uns Gott.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
Fürbittgebet und Vaterunser
Allmächtiger und barmherziger Gott,
danke, dass du uns zu dem gemacht hast, was wir heute sind. Danke für alles, das wir gut können und womit wir anderen Leuten helfen können.
Hilf uns, dass uns das, was wir haben, nicht hochmütig macht, und dass wir nicht auf andere herabschauen, die scheinbar weniger haben oder können als wir. Und wo wir nur Schlechtes, Unvollkommenes an uns sehen, da komm uns entgegen und schenke uns deinen freundlichen Blick auf uns. Danke, dass du uns siehst und liebst, wie wir sind.
Guter Gott, schicke den Kranken und Einsamen Menschen, die sie besuchen; schicke den Hungernden und Durstigen Menschen, die sie versorgen; schicke den Notleidenden Menschen, die für sie da sind, die trösten und unterstützen. Und lass uns solche Menschen sein!
Wir bitten dich: hilf uns, deine Barmherzigkeit auszustrahlen. Schenke uns und deiner ganzen Kirche ein fröhliches und großzügiges Herz für unsere Mitmenschen. Zeig uns, wo wir füreinander da sein können.
Alles, was uns sonst bewegt, Freude und Schmerz, Dank und alle Fragen legen wir in das Gebet, das uns Jesus gelehrt hat: Vater unser…

Ansagen
Folgendes ist der Gemeinde bekannt zu geben: Das heutige Opfer wird die vielfältigen Aufgaben in der eigenen
Gemeinde erbeten.
Heute nach dem Gottesdienst um 11.15 Uhr ist die Ausstellungseröffnung „Lautmalereien“ - Bilder von Heidemarie Messner zu den meditativen Mittwochsimpulstexten von Pfr. Fabian Kunze.
Morgen Montag 24. August ist um 19.30 Uhr Taizé-Andacht hier in der Kirche.
Nächsten Sonntag, 30. August 10.00 Uhr Gottesdienst mit Taufen mit Pfr. Eberhard Hahn. Wegen des Doppeldienstes mit Nehren wird wieder nachgeläutet.

Lied: EG 565,1-3 Herr, wir bitten: Komm und segne uns
Kehrvers:
Herr, wir bitten: Komm und segne uns; lege auf uns deinen Frieden.
Segnend halte Hände über uns. Rühr uns an mit deiner Kraft.
Strophen:
1. In die Nacht der Welt hast du uns gestellt, deine Freude auszubreiten.
In der Traurigkeit, mitten in dem Leid, lass uns deine Boten sein.
2. In die Schuld der Welt hast du uns gestellt, um vergebend zu ertragen,
dass man uns verlacht, uns zu Feinden macht, dich und deine Kraft verneint.
3. In den Streit der Welt hast du uns gestellt, deinen Frieden zu verkünden,
der nur dort beginnt, wo man, wie ein Kind, deinem Wort Vertrauen schenkt.

Segen
Gehen wir in diesen Tag und in die kommende Woche unter dem Segen unseres Gottes.
Der HERR segne uns und behüte uns,
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,
der HERR erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen.