22.03.20

Gottesdienst zum Selberfeiern

https://www.mauritiuskirche-ofterdingen.de/fileadmin/mediapool/gemeinden/KG_ofterdingen/pdf/2020_03_22_Gottesdienst_zum_Selberfeiern.pdf

Votum
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Begrüßung

Liebe Gemeinde,
schön, dass Sie auch heute wieder dabei sind beim Gottesdienst zum Selberfeiern! Diesmal sind alle Lieder inklusive Noten ebenfalls ins Dokument eingefügt. Wir beginnen auch gleich mit einem Lied:
Lied: EG 98 Korn, das in die Erde

2. Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab, 3. Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab. unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn -
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn? hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün. Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Eröffnung
Der Sonntag heute hat den Namen Lätare – das ist ein kleines Osterfest in der Passionszeit. In den Texten dieses Sonntags ist schon deutlich die Hoffnung auf das neue Leben angelegt. Dazu passt das Bild vom Weizenkorn, das in die Erde fallen und sterben muss, um neues Leben hervorzubringen.
Neben dem 3. Advent ist Lätare der einzige Sonntag, an dem im Katholischen die Priester rosa tragen – liturgisch meine Lieblingsfarbe! Denn hier mischt sich das österliche Weiß der Auferstehung und der Hoffnung in das trauernde Lila: der Tod wird vom Leben durchdrungen, die Auferstehung wirft mitten in der Dunkelheit ihre Schatten voraus. Ich wünsche uns allen einen gesegneten Gottesdienst, in dem wir uns miteinander verbunden wissen!
Der Wochenpsalm ist Psalm 84 – herzliche Einladung ihn nun zu beten.
Psalm 84 (EG 734)
Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaoth!
Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn;
mein Leib und Seele freuen sich
in dem lebendigen Gott.
Der Vogel hat ein Haus gefunden
und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen -
deine Altäre, Herr Zebaoth,
mein König und mein Gott.
Wohl denen, die in deinem Hause wohnen;
die loben dich immerdar.
Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten
und von Herzen dir nachwandeln!
Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund,
und Frühregen hüllt es in Segen.
Sie gehen von einer Kraft zur andern
und schauen den wahren Gott in Zion.
Herr, Gott Zebaoth, höre mein Gebet;
vernimm es, Gott Jakobs!
Gott, unser Schild, schaue doch;
sieh doch an das Antlitz deines Gesalbten!
Denn ein Tag in deinen Vorhöfen
ist besser als sonst tausend.
Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause
als wohnen in der Gottlosen Hütten.
Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild;
der Herr gibt Gnade und Ehre.
Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.
Herr Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt! - Ehr sei dem Vater

Gebet und Stilles Gebet
Guter Gott,
auch heute sind wir in unserer Wohnung statt in der Kirche. Danke, dass du trotzdem bei uns bist!
Schenke uns eine gute Zeit mit wertvollen Gedanken! Gib uns Trost, mutmachende Gedanken, und lass uns spüren, dass wir nicht alleine sind.
Wir wollen still werden und legen dir hin, was uns gerade beschäftigt.
Stille
Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Amen.
Lied: EG 398 In dir ist Freude

2. Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden
Teufel, Welt, Sünd oder Tod;
du hast’s in Händen, kannst alles wenden,
wie nur heißen mag die Not.
Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren
mit hellem Schalle, freuen uns alle
zu dieser Stunde. Halleluja.
Wir jubilieren und triumphieren,
lieben und loben dein Macht dort droben
mit Herz und Munde. Halleluja.

Predigt
In diesen Tagen ist so manche Familie zwangsvereint, auf Dauer – wenn beide Eltern von Zuhause arbeiten können, dann umso mehr. So entzückt möglicherweise Ihre Kinder deshalb sind, dass sie nun Mama und Papa in dauernder Verfügung zum Spielen haben, sind es die Eltern vielleicht nicht so ganz. Aufeinander hocken, Kinderbetreuung ohne Pause, das ist sicher auch sehr anstrengend!
In besonders anstrengenden Momenten versucht man möglicherweise, sich die schönen, entspannten Momente in Erinnerung zu rufen, um dadurch Kraft zu tanken. Dabei stößt der eine oder die andere vielleicht auf Augenblicke wie diese:
Das instinktive Schutzsuchen der Kinder bei den Eltern, wenn sie Angst haben oder sich wehgetan haben; das ruhige Ankuscheln, das immer wieder den Atem und die Gedanken zur Ruhe kommen lässt. In der Armen der Eltern, da sind Kinder sicher, das wissen die meisten ganz tief in sich.
Diesen Gedanken, dieses Gefühl rufen Sie sich in Erinnerung, wenn wir uns nun dem Predigttext nähern. Da sind die Israeliten in Kälte, Einsamkeit, Unsicherheit, und hören in diese Situation hinein diese Worte, sie stehen beim Propheten Jesaja im 66. Kapitel:
10 Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid.
11 Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust.
12 Denn so spricht der Herr: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen.
13 Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden.
14 Ihr werdet's sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des Herrn an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden.
Ich stelle mir eine Gruppe von Leuten vor, gerade aus der Gefangenschaft freigelassen, erschöpft von der langen Wanderung, die schließlich einen ersten Blick werfen auf ihr Ziel, ihren Sehnsuchtsort: Jerusalem, ihre Perle, ihre Heimat. Doch als sie endlich auf einem der umliegenden Hügel stehen und auf den Berg Zion blicken, sehen sie Trümmer, Verwüstung, Verlassenheit und Verwahrlosung.
Das ist der Rahmen, in den hinein diese Worte zu hören sind. Jesaja fordert die Israeliten auf, sich zu freuen! Sie sollen nicht auf die Trümmer blicken, sondern auf die nahe-liegende Zukunft: Jerusalem wird wieder blühen. Sie werden es wieder aufbauen und wieder eine Heimat haben, einen Ort der Sicherheit und des Friedens.
Das Bild, das Jesaja dafür wählt, ist das einer Mutter, die ein säugendes Baby an ihrer Brust hat. Sie hält es im Arm, gibt ihm Sicherheit und Trost. Sie füttert ihr Kind, macht es satt und zufrieden. – Das ultimative Bild von Verlässlichkeit, Schutz, Geborgenheit! Gut gewählt von Jesaja, oder? Ein ansprechendes Bild, das Sehnsüchte weckt und die Hoffnung lebendig macht.
Auf wen oder was sich diese Sehnsucht genau richtet, ist hier leicht verschleiert. Vor allem ist es die Stadt Jerusalem: sie ist die Mutter, in deren Arm sich das Volk kuschelt, von der sie ihr Essen bekommt und wo es sich in Sicherheit und einfach Zuhause weiß. Aber gleichzeitig steht die Mutter hier für Gott. Unsere drei Motive: Jerusalem, Gott und ihre Darstellung als Mutter, sie verschwimmen hier. Klar ist: der Trost und der Friede, die kommen eigentlich von Gott. Durch ihn wird Jerusalem erst zu diesem Friedens-Ort, zu einem Ort der Geborgenheit (und übrigens auch des Reichtums, so Jesaja).
Fehlende Sicherheit und Geborgenheit – das dürfte vielen gerade viel bekannter vorkommen. Wir haben Sorge um die Gesundheit von uns und von unseren Lieben, so mancher muss auch um seine berufliche und finanzielle Existenz fürchten. Einen Ort der absoluten Sicherheit und Geborgenheit, an dem wir nichts fürchten müssen: das wäre es doch!
Mit fehlender Sicherheit und Geborgenheit wird unterschiedlich umgegangen. Der Rückzug in sichere Räume ist das eine, das sehen wir gerade besonders häufig. Ein anderer Umgang, ganz tief in uns angelegt, ist: wir schalten in Angriffsmodus! Wer ist schuld, wie kann man ihn bestrafen? Und so gehen wir gern auf jemanden los, ganz instinktiv, aus Unsicherheit und aus Selbstschutz. Angriff ist doch immer noch die beste Verteidigung!
Das ist sicher auch ein Grund für einige (verbale und körperliche) Angriffe auf Geflüchtete, Andersgläubige: Angst und Unsicherheit, die uns drängen, uns aktiv zu verteidigen. Und dabei treffen wir auch gern die Falschen oder schlagen drauf, ohne richtig nachgedacht zu haben.
Allzu weit brauchen wir meist gar nicht schauen, da reicht ein Blick in unsere eigene, kleine Welt: wenn wir verunsichert sind, ängstlich oder auch wütend auf uns selbst, wendet sich das manchmal nach außen, fast automatisch, und nicht gesteuert von unserem Gehirn. Angriffsmodus! Wir reagieren aggressiv, auch auf Menschen, die uns eigentlich nur helfen möchten. Und wir ziehen uns selbst zurück, in der vergeblichen Hoffnung, dort Ruhe und Frieden zu finden.
Sicherheit, Frieden, Ruhe – danach sehnen wir uns. Wann werden wir vollkommen und andauernd geborgen sein können?
Jesaja stellt auch uns dieses schöne Bild der stillenden Mutter vor Augen. - Doch ist die Hoffnung auf eine solche Sicherheit schon genug Grund zur Freude, wie sie Jesaja hier fordert?! Man kann Freude doch nicht einfach verordnen! Es macht Jesajas Worte doch letztlich wenig überzeugend, wenn man vor sich nur die Trümmer des eigenen Lebens sieht und alle Fantasie verloren hat, wie blühend und grünend diese Landschaft eventuell - oder auch nicht - wieder sein könnte!
„Tröstet mein Volk“, das wird Jesaja an anderer Stelle für das Volk mitgegeben. Das passt doch auch viel besser, oder? Die Israeliten kommen gerade aus dem Exil zurück, und blicken auf ihre verwüstete Heimat. Das Herz wird ihnen bluten, sie werden verzagt und traurig sein. Da brauchen sie doch Trost, keine Aufforderung zur Freude!
Und doch: die Freude wird hier nicht einfach befohlen. Sie ist nicht blind für den schlimmen Anblick, der sich dem Volk bietet, sondern: die Freude wird grundgelegt! Sie darf verlangt werden, weil sie umgeben ist von etwas anderem: vom Trost, in Gottes Armen geborgen zu sein. Hat er uns nicht bis hierher gebracht, entgegen aller Wahrscheinlichkeit? In seinen Armen sind wir doch sicher, das wissen wir doch, oder nicht? Und das ist doch Grund genug, um sich schon jetzt zu freuen – warme Gedanken in der kalten Realität.
„Alles wird gut!“ Das ist ein beruhigender Satz, an den ich mich auch aus der Kindheit noch erinnere. Gut ist es natürlich noch lange nicht, von außen betrachtet. Vieles tut weiter weh, und das wird es auch weiterhin. Und doch: sehen wir uns einen Moment in den Armen Gottes, wo wir Geborgenheit erfahren, wo wir wie durch unsere Mutter getröstet werden. In diesem Augenblick sind Ruhe und Frieden mit den Händen zu greifen. Da sind sie Wirklichkeit, für eine Sekunde, trotz aller Trümmer und Fragmente der Umgebung. So, wie im Leiden von Jesus auch seine Auferstehung und das „Happyend“, auch für uns, schon greifbar werden. Und in dieser Geborgenheit darf auch die Freude wieder hervorblitzen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder plus 26 Du bist meine Zuflucht und Stärke






Fürbittgebet und Vaterunser
Guter Gott, oft fühlen wir uns verlassen und einsam. Alles scheint unsicher, und wir sehnen uns nach Sicherheit.
Da, wo uns die Unsicherheit zu überwältigen droht, dann nimm uns in den Arm. Gib uns das Wissen, dass wir bei dir sicher sein dürfen, trotz allem Augenschein.
Guter Gott, all unsere Versuche den Virus einzudämmen scheinen hilflos. Lass uns dabei nicht allein! Schenke Gesundheit und Heilung, und schenke den Politikern Weisheit und Augenmaß für die anstehenden Entscheidungen.
Unsere Gedanken kreisen gerade viel um uns selbst. Doch schenke uns einen Blick auch über unseren Tellerrand hinaus! Lass uns die vielen nicht vergessen, deren Leben durch Krieg und Hungersnot bedroht wird, die in den Flüchtlingslagern leiden. Vergiss sie nicht und erinnere auch uns an unsere Verantwortung ihnen gegenüber!
Unser ganzes Leben steht in deiner Hand. Hilf uns dir zu vertrauen. Und alles, was uns innerlich umtreibt und was wir nicht so recht in Worte fassen können, legen wir in das Gebet, das du uns mitgegeben hast: Vater unser…

Ansagen
Die Einschränkungen auch des kirchlichen Lebens gehen weiter. Inzwischen sind Gemeindehaus und Pfarramt ganz geschlossen – Sie sind aber deshalb nicht verlassen!
Die Kirche ist jeden Tag für Sie geöffnet. Gehen Sie gern hinein und verbringen eine Zeit der Stille, bringen Sie Ihre Gedanken zur Ruhe oder denken an Ihre Familie und Ihre Freunde!
Wenn Sie Hilfe benötigen oder jemanden zum Reden, rufen Sie jeden Tag (außer sonntags) zwischen 9 und 12 Uhr an unter: 07472/2061505. Hier hört Ihnen jemand zu und vermittelt Hilfe.
Und zum Schluss noch ein Aufruf für heute Abend:
„In Anlehnung an die Nachricht, dass die Italiener auf ihren Balkonen singen und musizieren, möchten wir so einen Hoffnungsschimmer auch in Deutschland verbreiten, sozusagen wie ein Flashmob am Sonntag, 22. März um 18:00 von allen Balkonen aus allen Fenstern auf allen Terrassen!“
Herzliche Einladung sich daran zu beteiligen! Gesungen und gespielt wird aus Beethovens 9. Sinfonie:


Nächste Woche gibt es einen neuen Gottesdienst – und übrigens auch eine Kinderkirche zum Selberfeiern – herzliche Einladung zu beidem!

Segen
Und nun geht in diesen Tag und in die kommende Woche unter dem Segen unseres Gottes.
Der HERR segne euch und behüte euch,
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig,
der HERR erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden.
Amen.