18.11.20

Impuls zur Wochenmitte

Impuls zur Wochenmitte: „Blickrichtungen“ - Lautmalerei 16: Der Blick nach RECHTS
https://www.mauritiuskirche-ofterdingen.de/fileadmin/mediapool/gemeinden/KG_ofterdingen/pdf/Lautmalerei_16_-_Blick_nach_RECHTS.pdf

Das heutige Bild-Beispiel stellt zwei Helden meiner Kindheit dar: den kleinen, schlauen Asterix und den großen, starken Obelix mit den großen Knochen (nein, dick ist er nicht!). Bei aller Freundschaft sind sie doch extrem unterschiedlich. Sie streiten in fast jedem Band, dann werden sie puterrot und schreien sich an, oft Nase an Nase. Doch absolut zuverlässig vertragen sie sich auch wieder. Spätestens nach ein paar Schritten in entgegengesetzte Richtungen bleiben sie stehen und ihre Augen füllen sich mit Tränen. Dann rennen sie aufeinander zu und liegen sich wieder in den Armen. Sie können einfach nicht ohne einander, sind immer füreinander da. Und in ihrer Unterschiedlichkeit ergänzen sie sich auch ganz prächtig, und ein großes Herz haben sie beide. Im Ernstfall können sich die beiden immer aufeinander verlassen, sind einander die treuesten Begleiter, die man sich vorstellen kann.
Wer geht denn mit uns durch die luftigsten Höhen genauso wie durch die tiefsten und dunkelsten Täler?
Unsere Begleiter, das können Menschen sein, auch Gedanken und Impulse, die uns Mut und Kraft verleihen, und auch Gott geht ja mit uns. Weggefährten können mal nörgeln und bremsen (denken Sie an die letzte Familien-Wanderung – kommt ihnen das vielleicht bekannt vor?). Manchmal sind sie auch eine Hilfe: sie zeigen uns den Weg, geben uns einen Schluck zu Trinken ab, ermutigen uns weiterzulaufen, nehmen uns vielleicht sogar unser Gepäck ab. Und immer gilt: mit unseren Weggefährten sind wie niemals ganz auf uns allein gestellt.
In der Bibel gibt es wunderbare Geschichten von Weggefährten. Was einen guten Wandergefährten ausmachen kann, das durften zum Beispiel zwei Männer erleben, die auf dem Weg nach Emmaus waren. Völlig am Ende waren sie, auf dem Rückzug, kläglich gescheitert mit ihren Hoffnungen, ihrem vergeblichen Glauben. Und plötzlich geht ein Mann mit ihnen, geht Schritt für Schritt mit, hört zu, stellt Fragen, und er gibt auch Antworten. „Brannte nicht unser Herz?“, fragen sich die beiden im Nachhinein, als sich ihr Weggefährte als der auferstandene Jesus selbst erwiesen hat.
Gerade auch im Alten Testament finden wir Geschichten von Freunden und Weggefährten, die einander Halt geben und sich gegenseitig stützen und unterstützen. Wie Noomi: sie verliert in der Fremde ihren Mann und ihre zwei Söhne, doch sie gewinnt eine treue Freundin: ihre Schwiegertochter Rut. Sie kam in den Lautmalereien schon einmal vor: Rut antwortete: „Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch. Nur der Tod wird mich und dich scheiden.“ So gingen die beiden miteinander. (Rut 1,16-19a) Es ist solch ein Trost, eine Begleiterin durchs Ungewisse zu haben! „Durch gute und schlechte Zeiten“ – das gilt nicht nur für Ehepaare, das ist eine Aufgabe für uns alle, die wir die Wegbegleiter anderer Menschen sind.
Ein weiteres, unbekannteres Beispiel ist Jonathan, der Sohn von König Saul. In großem Gottvertrauen macht er einmal etwas sehr Tapferes (oder knapp daneben: etwas sehr Dummes) und stürzt sich auf eine Übermacht an Feinden, nur begleitet von seinem Waffenträger. Der ist zwar skeptisch, aber er sagt etwas sehr Schönes: »Tu, was du für das beste hältst«, antwortete der Waffenträger. »Ich bin an deiner Seite, was immer du vorhast.« (1. Sam 14,7) Weggefährten begleiten einander, selbst dann, wenn sie den eingeschlagenen Weg für einen Umweg oder Abweg halten!
Auch Gott finden wir an unserer Seite. Genauer: auf unserer rechten Seite. Rechts, da finden wir nach alter Vorstellung unsere Unterstützung, unseren Halt und Trost. Verspricht uns Gott an unserer rechten Seite zu sein, bedeutet das: er ist unser Schutz (Ps 110,5 zum Beispiel). Und wir finden ihn dort nicht nur, wenn sich unser Leben auf der Überholspur befindet und wir den göttlichen Segen fast schon mit den Händen greifen können. Noch viel mehr finden wir ihn an unserer Seite, wenn unser Weg im Dunkeln liegt, es abschüssig wird und wir den Halt zu verlieren drohen. Auch, wenn es dann schwerer ist das zu sehen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. (Ps 23,4) Schöner ist es kaum auszudrücken! Die Worte Jesu gehen in dieselbe Richtung: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende! (Mt 28,20) Das ist schwer zu sehen, doch umso wichtiger darauf zu hoffen und daran zu glauben.
Denken wir einmal nach: wer hat uns schon einmal begleitet, durch Jubel-Zeiten oder auch durch Tränenmeere? Durch Aufregung oder auch durch den grauesten Alltag? Gott begleitet uns durch so manche schwere Zeit und stellt uns immer wieder jemanden an unsere Seite. Das sehen zu können ist eine Kunst, und doch tut es unendlich gut.
Gehen wir in der kommenden Woche einmal mit offenen Augen durch unseren Tag. Wer ist für uns da, wenn wir jemanden brauchen? Und wen könnten wir denn heute begleiten? Wem könnten wir ein Gefährte, eine Gefährtin sein, bei seinen Schritten durch hell und dunkel und grau?
Und wenn beim nächsten Familien-Spaziergang wieder einer nörgelt und trödelt: freuen wir uns trotzdem, dass wir einander haben!