08.11.20

Gottesdienst zum Selberfeiern

https://www.mauritiuskirche-ofterdingen.de/fileadmin/mediapool/gemeinden/KG_ofterdingen/pdf/2020_11_08_Gottesdienst_zum_Selberfeiern.pdf

Glockenläuten
Musik zum EIngang
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.
Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen. (Mt 5,9) Mit dem Wochenspruch aus dem Matthäusevangelium grüße ich Sie heute zum Gottesdienst. Schön, dass wir ihn gemeinsam feiern, wenn auch an unterschiedlichen Orten!
Wir haben heute den drittletzten Sonntag des Kirchenjahres. Und zum Ende hin wird es ernst, wir widmen uns schweren und auch traurigen Themen. Heute geht es auch um das Ende selbst. Das Ende der Welt. Wann ist es denn soweit? „Fünf vor 12“ ist es, so die Warnung von Klima-Aktivisten. Dass die Erde noch nicht durch einen Atomkrieg zerstört wurde, ist auch fast schon ein Wunder. Aber wann ist es denn dann soweit, und wie bereiten wir uns darauf vor?
Später mehr dazu, zuerst wollen wir aber beten mit Worten aus Psalm 85.

Psalm 85 II (NL 909.2)
Könnte ich doch hören, was Gott der HERR redet,
dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen,
auf dass sie nicht in Torheit geraten.
Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten,
dass in unserm Lande Ehre wohne;
dass Güte und Treue einander begegnen,
Gerechtigkeit und Friede sich küssen;
dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue;
dass uns auch der HERR Gutes tue und unser Land seine Frucht gebe; dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe und seinen Schritten folge.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Gebet und Stilles Gebet
Herr, unser Gott,
Wir suchen hier deine Nähe, und wir suchen Trost und Ermutigung und Gemeinschaft.
Bitte begegne uns heute, schenk uns gute Gedanken und Kraft für die kommende Zeit!
Alles, was uns auf der Seele brennt, was uns hilflos und traurig macht, bringen wir vor sich und beten weiter in der Stille.
Stille
Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Amen.

Lied: NL 186,1-3 Ob ich sitze oder stehe
1. Ob ich sitze oder stehe, ob ich liege oder gehe, bist du Gott, bist du Gott, bei mir.
Ob ich schlafe oder wache, ob ich weine oder lache, bleibst du Gott, bleibst du Gott, bei mir.
Refrain:
Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir, und hältst deine Hand über mir.
2. Dass ich wachse, blühe, reife, dass ich lerne und begreife, bist du Gott, bist du Gott, bei mir.
Dass ich finde wenn ich suche, dass ich segne nicht verfluche, bleibst du Gott, bleibst du Gott, bei mir. Refrain
3. Wo ich sitze oder stehe, wo ich liege oder gehe, bist du Gott, bist du Gott, bei mir.
Dass ich dein bin, nicht verderbe, ob ich liege oder sterbe, bleibst du Gott, bleibst du Gott, bei mir. Refrain
Predigt
„Dein Reich komme!“ Das beten wir in jedem Gottesdienst im Vaterunser. Aber wollen wir das wirklich? Und rechnen wir denn wirklich damit?
In der Zeit des Paulus hat man damit gerechnet, dass das Reich Gottes sehr bald anbrechen wird. Eigentlich jeden Moment. Wir warten nun schon seit 2000 Jahren darauf. Da scheint es ziemlich unwahrscheinlich, dass es ausgerechnet jetzt soweit sein sollte. Darin haben wir es uns vermutlich auch etwas gemütlich gemacht. Wir haben den Eindruck: wir haben noch jede Menge Zeit, kein Grund irgendetwas zu überstürzen.
Im etwas Kleineren werden wir regelmäßig eines Besseren belehrt. Der Tod von lieben Menschen, selbst wenn er vielleicht erwartbar gewesen sein mag, überfällt uns dann doch und trifft uns hart. Man wiegt sich in Sicherheit – und diese wird dann brutal zerstört. So erst kürzlich in Wien: es sah alles aus nach Frieden und Sicherheit – und dann plötzlich, wie aus dem Nichts, das Gegenteil: Verunsicherung und Angst und Tod. Wie ein Dieb in der Nacht kann sich das Ende in unser Leben schleichen.
Paulus versucht in unserem heutigen Text, die Leser deshalb aufzurütteln. Seid lieber vorbereitet! Wir lesen den etwas unbequemen Predigttext aus 1. Thessalonicher 5 (1. Thess 5,1-11).
1 Von den Zeiten aber und Stunden, Brüder und Schwestern, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; 2 denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. 3 Wenn sie sagen: »Friede und Sicherheit«, dann überfällt sie schnell das Verderben wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entrinnen. 4 Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. 5 Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. 6 So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein. 7 Denn die da schlafen, die schlafen des Nachts, und die da betrunken sind, die sind des Nachts betrunken. 8 Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil. 9 Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, die Seligkeit zu besitzen durch unsern Herrn Jesus Christus, 10 der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben. 11 Darum tröstet euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut.
Hier will Paulus zwei Sachen: warnen und trösten gleichzeitig. Unübersehbar ist seine Warnung: Schlaft ja nicht ein, sonst wird es euch übel ergehen! Seid allzeit wachsam! Wiegt euch nicht in Sicherheit! Wenn diese Zeilen hier aber nur Panik auslösen, haben sie ihr Ziel verfehlt. Deswegen schauen wir noch etwas genauer hin.
Das, vor dem hier gewarnt wird, ist schön und schrecklich zugleich: der „Tag des Herrn“: das Weltende. Der Zeitpunkt, an dem Bilanz gezogen wird. Wir bekommen die Rechnung für alles Eingekaufte, für alles Ausgegebene, für alles Kaputt Gemachte… Und gleichzeitig ist das der Zeitpunkt, an dem alles Leiden und alle Ungerechtigkeit ein Ende haben werden. Der Tag des Herrn: schön und schrecklich zugleich.
Und dieser Tag kommt heimlich und plötzlich, veranschaulicht wird das durch zwei Bilder (überhaupt verwendet Paulus hier ziemlich viele Bilder, um klar zu machen, was er meint):Das ist wie bei einer Schwangerschaft: auch da kann es plötzlich losgehen und jedem berechneten Geburtstermin trotzen.
Und das ist wie ein Dieb in der Nacht, heimlich und schleichend. In beiden Fällen, selbst beim Dieb: das DASS von Einbruch und Geburt steht nicht in Frage, beides wird definitiv kommen. Nur das WANN ist offen – und damit auch das WIE: wie sind wir darauf vorbereitet?
Wir sollen also wach sein. Und nüchtern noch dazu. Nüchtern hat dabei eine doppelte Bedeutung: es steht natürlich im Gegensatz zum „Betrunkensein“, aber vor allem geht es darum: behaltet einen klaren Kopf, seid aufmerksam, habt eine klare, nüchterne Einsicht in die Lage. Es geht darum bereit zu sein: „Lebt so, als ob dieser Tag euer letzter wäre“. Das ist ein Satz, wie er auf einem Kalenderblatt stehen könnte. Aber da ist schon was dran: Es ist immer gut sich zu fragen: was darf auf keinen Fall unerledigt sein? Was will ich abgeschlossen, bereinigt haben? Wo habe ich vielleicht noch offene Rechnungen, die ich begleichen möchte? Gegenüber meinen Mitmenschen, gegenüber mir selbst, und – gegenüber Gott? Also: versuchen wir vorbereitet zu sein. Und versuchen wir dankbar zu sein für jeden Tag, den wir haben; für alle Liebe und Freundschaft, für alle Gaben und Möglichkeiten.
So, das Warnen klappt schonmal ganz gut. Das mit dem Trösten dagegen gelingt ihm nicht so ganz, finde ich – zumindest auf den ersten Blick. Als Trost bekommen wir dieses Bild: wir sind Kinder des Lichts, Kinder des Tages, und so sollten wir auch leben. Manchmal kommen wir uns vor, als wären wir noch mitten in der Nacht, als ob uns nur Dunkelheit umgibt. Aber auch dabei stehen wir eigentlich schon im Licht des neuen Tages, das gibt uns Paulus hier mit. Und die angemessene Kleidung dafür, die besteht vor allem aus drei Kleidungsstücken. Beschrieben werden sie hier als ein Panzer, als eine Schutzausrüstung: Glaube, Liebe und Hoffnung.
Inwiefern sind wir denn schon am Tag, Kinder des Tages, Kinder des Lichtes?
Der Glaube gründet uns in Jesus Christus und in seiner Rettungs-Geschichte. Er hilft uns sicher zu stehen und auf das Ziel zu blicken. Die Liebe erfüllt den Willen Gottes, aus Liebe hat er uns ja überhaupt erst ins Leben gerufen. Mit der Liebe leben wir, als wäre es schon taghell. Wir machen es licht, in uns, und wir machen es licht für die um uns herum. Und die Hoffnung öffnet uns die Zukunft: sie lässt uns sein, als wären wir es schon.
Diese Schutzkleidung, die sollen wir auch nachts anlassen. Das bedeutet: auch wenn wir so richtig wütend auf jemanden sind; wenn uns die Unsicherheit übermannt und wir nicht aus noch ein wissen; gerade dann sollen wir „nüchtern und wachsam“ sein. Und unseren Blick wieder auf Gott richten, unseren Fels in der Brandung, unser Licht in der Dunkelheit. Ich weiß, das kann gerade in schlimmen Zeiten viel zu abstrakt sein. Die Kraft dazu haben wir oft nicht. Aber ein gedanklicher Blick darauf, der kann uns trotzdem helfen ruhig zu werden.
Dieser Blick auf das Ende, das ist der Trost, den uns Paulus hier anbietet: Wir sind bestimmt zur Seligkeit. Jesus ist für uns gestorben, „damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben“. Ein kleiner Lichtblick: selbst wenn wir schlafen, wenn wir uns im Dunkeln verirren und einschlafen, sind und bleiben wir Kinder des Tages und dürfen mit ihm leben.
Wir sind immer beides zugleich! Eigentlich sind wir schon Kinder des Lichts, aber die Finsternis ist noch da: um uns, in uns. Wie leben schon im Schein des Tages, selbst wenn um uns oder in uns noch Nacht sein sollte. WANN das Ende kommt, das bleibt uns verschlossen. Aber WIR, das steht hier bei aller Mahnung fest, WIR werden mit Jesus Christus leben, der für uns gestorben und auferstanden ist. Selbst wenn wir unsere Augen nicht allzeit offen lassen können, selbst wenn unsere Schutzkleidung nicht hält.
Und das stellt die Mahnung davor auch in ein etwas anderes Licht. Sie motiviert uns: lasst nicht nach daran zu glauben, darauf zu hoffen! Wehrt alles ab, was euch verunsichern will, was Gottes Gnade in Zweifel ziehen will. Lebt diesem Tag entgegen, als wäre er schon da.
Und für all das brauchen wir als Gemeinde uns gegenseitig, das betont Paulus am Ende nochmal. Wir sind nicht allein in der Nacht! Wir können und müssen füreinander da sein, einander trösten und ermutigen, einander Licht sein.
„Dein Reich komme“. Wir können an diesem Reich schon mitbauen, hier auf Erden, mit unseren Händen und mit unseren Gebeten. Und wenn es dunkel um uns ist, wenn es einfach nicht Frieden werden will auf Erden, dann tragen wir trotzdem weiterhin Glaube, Liebe, Hoffnung mit uns. Und wenn wir es jetzt vielleicht noch nicht bemerken: eines Tages werden wir es sehen können, das Licht des neuen Tages, in dem wir heute schon stehen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
Fürbittgebet und Vaterunser
Guter Gott,
Manchmal wissen wir gar nicht zu schätzen, was wir haben.
Danke, dass wir in Deutschland nun schon so lange im Frieden leben dürfen. Danke dafür, dass wir in einer Demokratie leben und nicht von hilflos einem Autokraten ausgeliefert sind.
Ob im Großen oder im Kleinen: immer wieder landen wir brutal auf dem Boden der Tatsachen, und uns begegnen Angst und Hass, Trauer und Tod.
Bitte schenk uns dann die Gewissheit, dass wir auch dann in deinen Händen geborgen sind, und schenk uns die Hoffnung auf dein Reich, in dem endlich Friede sein wird.
Gott, manchmal ist es finster in uns. Wir sehen keinen Ausweg, sind gefangen in dunklen Gedanken. Gib uns dann einen Lichtblick. Schick uns Menschen, die uns trösten und aufhelfen. Lass uns wieder Hoffnung schöpfen.
Und gib uns offene Augen und Wachsamkeit, dass wir auch für andere da sein können.
Bitte sei du bei den Menschen in Wien, deren Leben aus den Fugen gerissen wurde; sei du bei den Menschen in den USA, die sich unversöhnlich gegenüberstehen. Gib, dass Friede wird. Dein Reich komme.
Wir beten gemeinsam mit den Worten, die uns dein Sohn Jesus gelehrt hat. Vater unser…

Lied: EG 147,1-3 Wachet auf, ruft uns die Stimme
1. »Wachet auf«, ruft uns die Stimme, der Wächter sehr hoch auf der Zinne, »wach auf, du Stadt Jerusalem! Mitternacht heißt diese Stunde«; sie rufen uns mit hellem Munde: »Wo seid ihr klugen Jungfrauen?
Wohlauf, der Bräut’gam kommt, steht auf, die Lampen nehmt! Halleluja! Macht euch bereit zu der Hochzeit, ihr müsset ihm entgegengehn!«
2. Zion hört die Wächter singen, das Herz tut ihr vor Freude springen, sie wachet und steht eilend auf.
Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig, ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.
Nun komm, du werte Kron, Herr Jesu, Gottes Sohn! Hosianna! Wir folgen all zum Freudensaal und halten mit das Abendmahl.
3. Gloria sei dir gesungen mit Menschen- und mit Engelzungen, mit Harfen und mit Zimbeln schön.
Von zwölf Perlen sind die Tore an deiner Stadt; wir stehn im Chore der Engel hoch um deinen Thron.
Kein Aug hat je gespürt, kein Ohr hat mehr gehört solche Freude. Des jauchzen wir und singen dir das Halleluja für und für.
Ansagen
Segen
Gehen wir in diesen Tag und in die kommende Woche unter dem Segen unseres Gottes.
Der HERR segne euch und behüte euch,
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig,
der HERR erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.