02.05.21

*Präsenz* Gottesdienst zum Selberfeiern in der Kirche

Gottesdienst am 02.05.2021 (Kantate)
https://www.mauritiuskirche-ofterdingen.de/fileadmin/mediapool/gemeinden/KG_ofterdingen/pdf/2021_05_02_Gottesdienst_zum_Selberfeiern_.pdf

Glockenläuten
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Begrüßung und Eröffnung
Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Mit dem Wochenspruch aus Psalm 98 zum heutigen Sonntag grüße ich Sie ganz herzlich zum Gottesdienst, liebe Gemeinde Zuhause!
Heute war das auch fast schon ein Muss – der heutige Sonntag heißt schließlich Kantate – singt! Im Gegensatz zum schönen Gesang unserer Kantorei schießt der Predigttext da allerdings quer, eher nach dem Motto: „Hauptsache laut!“
Wir beten mit Worten aus Psalm 98.
Psalm 98 (EG 739)
Singet dem Herrn ein neues Lied,
denn er tut Wunder.
Er schafft Heil mit seiner Rechten
und mit seinem heiligen Arm.
Der Herr lässt sein Heil kundwerden;
vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.
Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,
aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Jauchzet dem Herrn, alle Welt,
singet, rühmet und lobet!
Lobet den Herrn mit Harfen,
mit Harfen und mit Saitenspiel!
Mit Trompeten und Posaunen
jauchzet vor dem Herrn, dem König!
Das Meer brause und was darinnen ist,
der Erdkreis und die darauf wohnen.
Die Ströme sollen frohlocken, und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn;
denn er kommt, das Erdreich zu richten.
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit
und die Völker, wie es recht ist.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Gebet und Stilles Gebet
Großer, herrlicher Gott, lieber Vater im Himmel,
Danke für die Möglichkeit Gottesdienst zu feiern, auch an unterschiedlichen Orten!
Groß und wunderbar sind deine Werke. Dir vertrauen wir auch diesen Gottesdienst an.
Schenke uns ein fröhliches und offenes Herz und segne unser Beten, Reden und auch unser Schweigen.
In der Stille kommen wir vor dich und legen vor dich, was uns bewegt.
Stille
Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Amen.

Lied: EG 286,1.3-4 Singt, singt den Herren neue Lieder
1. Singt, singt dem Herren neue Lieder, er ist’s allein, der Wunder tut.
Seht, seine Rechte sieget wieder, sein heilger Arm gibt Kraft und Mut.
Wo sind nun alle unsre Leiden? Der Herr schafft Ruh und Sicherheit;
er selber offenbart den Heiden sein Recht und seine Herrlichkeit.
3. Frohlocket, jauchzet, rühmet alle, erhebet ihn mit Lobgesang!
Sein Lob tön im Posaunenschalle, in Psalter- und in Harfenklang!
Auf, alle Völker, jauchzt zusammen, Gott macht, dass jeder jauchzen kann;
sein Ruhm, sein Lob muss euch entflammen, kommt, betet euren König an!
4. Das Weltmeer brause aller Enden, jauchzt, Erde, Menschen, jauchzt vereint!
Die Ströme klatschen wie mit Händen; ihr Berge, hüpft, der Herr erscheint!
Er kommt, er naht sich, dass er richte den Erdkreis in Gerechtigkeit
und zwischen Recht und Unrecht schlichte; des sich die Unschuld ewig freut.

Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im Lukasevangelium im 19. Kapitel (Lk 19,37-40).
Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.
Jesu Einzug in Jerusalem - Eigentlich ein Text für den Palmsonntag, oder auch für den 1. Advent. Für uns wurde er ausgesucht, weil – ja, warum eigentlich?
Der Friedensbringer zieht in die Hauptstadt ein. Das Ziel ist erreicht: ein Moment zum Feiern, Singen und Tanzen. Da wird gerade Geschichte geschrieben! Und die Jünger können ihre Emotionen nicht zurückhalten. Es muss einfach raus! Und so jubeln sie und singen. - Vermutlich singen sie keinen schönen vierstimmigen Bachchoral, sondern singen unkoordiniert, vermutlich eher laut als schön. Sonst hätten die Pharisäer bestimmt auch weniger Anlass gehabt zu sagen: „Bitte, mach, dass sie aufhören!“ Aber das möchte Jesus nicht. Und er könnte es auch gar nicht, sagt er. Diese Freude unterbinden: keine Chance! Da würden eher noch die Steine anfangen zu schreien.
Schreiende Steine… Steine können sich bei Temperaturschwankungen zusammenziehen und brechen, sie können von Wasser ausgehöhlt werden. Aber eigentlich können sie weder atmen noch schreien. Das ist also kein wunderschöner Gesang, nicht die schöne Musik, die wir jeden Sonntag zu hören bekommen. Sondern das griechische Wort lautet krazein (krazein), da hört man schon, was damit gemeint ist. Lautmalerisch ein Krächzen; ein Schreien, bei dem die Stimme bricht.
Qual, Entschlossenheit, Brutalität. In der Musik denke ich da ans growling (=knurren) aus dem Metal oder auch dem Hardcore Punk: ein meist tiefes Knurren/Brüllen aus dem Kehlkopf heraus. Nach herkömmlichen Maßstäben nicht gerade schön, aber in jedem Fall ganz schön laut.
Am heutigen Kantate geht es also nicht nur ums schöne Singen, sondern da geht es vor allem um Lautstärke.
Wenn mir zum Schreien ist: Wenn ich so glücklich, so wütend oder so traurig bin, dass ich fast platzen könnte. Wenn ich etwas erzählen, etwas teilen möchte und niemand ist da. Wenn mich jemand furchtbar verletzt hat und ich kaum weiß, wie ich das überstehen oder damit umgehen soll. Wenn ich etwas zu sagen habe, aber ich werde von allen überhört.
Was dann?
Dann muss es raus!
Unsere Emotionen, unsere tiefsten Gedanken sind Dinge. Die können wir nicht einfach für immer in uns einschließen. Das gilt für die guten wie die schweren Emotionen, für riesige Freude genauso wir für Angst, Wut und Traurigkeit. All das muss raus, sonst geht es uns schlecht. Ewig runterschlucken, das geht nicht. Sonst schreien irgendwann die Steine.
Stellvertretendes Schreien, Krächzen, Singen – für das geschehende Unrecht, die Kranken, Einsamen, Vernachlässigten. Es gibt Zeiten, da geht es nicht um Wohlgefälligkeit, sondern ums Gehört Werden. Viele Dinge müssen gehört werden. Viel zu oft überhören wir die leisen Stimmen. Die schüchternen, unsicheren; die still leidenden. Die, die nicht in den Chor aller einstimmen, sondern die für sich allein stehen müssen. Hören wir zu und sind selbst zwischendurch auch mal still! Achten wir auf die anderen. Wir sollten nicht darauf warten, bis es laut und brutal herausbricht und bis die Steine schreien. Die Bibel hat dafür Beispiele.
Wenn Menschen zum Schweigen gebracht werden…
…schreit das Blut – das Blut Abels nachdem er ermordet wurde (Gen 4,10).
…schreit der Acker, der Unrecht erlitten hat, bei dem armen, leidenden Hiob (Hi 31,38).
Wenn die Stimmen schon längst verhallt sind – bleiben immer noch Steine zurück. Denkmäler aus Stein, Erinnerungen und Mahnmale. Es gibt sie überall. Sie stehen unerschütterlich da und rufen uns ins Gedächtnis, was an Gutem wie Schlechtem geschehen ist. Sie fordern uns auf wachsam zu sein, oder dankbar, und daran Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Aber warten wir nicht darauf. Hören wir lieber heute zu, als morgen solche Steine aufzustellen.
Es gibt Dinge, dir müssen gesagt werden. Und viele davon müssen sogar wiederholt werden. „Ich liebe dich. Du bist nicht allein. Du hast einen Wert. Jeder Mensch ist es wert, dass man ihm zuhört. Du auch.“ Und nicht zuletzt: „Gott liebt dich.“ Sagen wir sie, diese Dinge! Immer und immer wieder, laut und leise.
Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien. Jesus lässt den Jubel laufen. Doch schon direkt im nächsten Vers stimmt er selbst aber ein Klagelied an: über seine Stadt, deren Herz verhärtet ist und vor der so viel Leid liegt. Die ganze Bandbreite, von Jubel bis Jammer, innerhalb von wenigen Worten.
Denn Jesus sieht ihn hier. Den weiteren Weg nach dem Jubelfest gerade. Den Weg seiner Stadt, Jerusalem: bald kommt es wieder einmal zu Kriegen, kaum ein Stein wird auf dem anderen bleiben. Vom Tempel, dem Ort, der für Gottes Nähe und Macht steht, bleibt fast nur eine Klagemauer übrig.
Er sieht seinen eigenen Weg – ans Kreuz, begleitet von gehässigen und hasserfüllten Schreien: „Kreuzige ihn!“ Doch sein Weg führt ihn bald auch wieder an einem Stein vorbei – der Grabstein wird beiseite geschoben. Er macht dem gestorbenen und auferstandenen Jesus Christus Platz, dem Fundament, dem Eckstein vom neuen Himmel und der neuen Erde.
Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! So haben es die Jünger gerade geschrien. Friede ist hier im Jubelruf nur im Himmel. Auf Erden ist davon noch nicht viel zu sehen. Doch die Engel bei Jesu Geburt, die haben schon davon gesungen. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. Frieden auf Erden! Eines Tages.
Vorerst würde es mir ja schon reichen, endlich wieder singen dürfen. Gemeinsam. Schreien, tanzen, sich in den Armen liegen und Feste feiern. Und zusammen trauern. Aber: auch wenn wir im Gottesdienst gerade nicht selber singen, sondern „nur“ einzelne stellvertretend für uns Musik machen. Ich darf immer vor Gott stehen und ihn loben, anschreien, mit ihm weinen – das geht weiterhin. Da muss nichts zurückgehalten werden!
Denn einer hört immer zu. Einer hört sie alle: die Leisen und die Lauten, die melodischen Musiker und die Brummer und Krächzer, er hört selbst die, die schon längst verstummt sind. Und im Gegensatz zu den Steinen ist Gott erbittlich, er lässt sich bitten, er lässt sich anrühren und bewegen.
Martin Luther hat gesagt: „Denn das kann Gott nicht unterlassen: Er muss helfen dem, der da schreit und ruft. Seine göttliche Güte kann sich da nicht zurückhalten, sie muss hören.“ Das darf uns Mut machen. Und es gibt uns Grund, jetzt erst recht zu jubeln und zu singen. Ob leise oder laut, ob schön oder schräg, ob im Gottesdienst oder unter der Dusche.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
Lied: EG 317,1-5 Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren
1. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren,
meine geliebete Seele, das ist mein Begehren.
Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören!
2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret,
der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet,
der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret?
3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet,
der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet.
In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet!
4. Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet,
der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet.
Denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet.
5. Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen.
Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen.
Er ist dein Licht, Seele, vergiss es ja nicht. Lobende, schließe mit Amen!

Fürbittgebet und Vaterunser
Guter Gott,
wir danken Dir für die Musik. Für Töne und Melodien, für Instrumente und Stimmen. So viel schenkst du uns durch all das – Ermutigung und Trost, Ruhe und Kraft.
Danke für die Möglichkeit, Dir in der Musik zu begegnen.
Es gibt so viel Grund dich zu loben. Hilf uns, das auch zu tun. Und hilf uns, mit allem, dem Wunderbaren wie dem Furchtbaren, immer zu dir zu kommen. Immer zu wissen: du hörst mir zu.
Danke, dass wir uns selbst mit gebrochener Stimme und mit bitteren Worten an dich wenden dürfen.
Wir denken an die Menschen in unserer Gemeinde und hier im Ort: schenke uns Aufmerksamkeit, dass wir auch die leisen Stimmen nicht überhören. Dass wir für alle da sind, die jemanden zum Zuhören brauchen.
Wir bitten dich: Segne den Dienst aller, die in der Kirche singen und musizieren, dir zur Ehre und uns zur Freude. Und hilf allen, die gerade ihren Beruf nicht ausüben können, durch diese Zeit.
Gott, mit allem dürfen wir zu dir kommen. All das, für was wir gerade keine Worte haben, legen wir in das Gebet, das uns Jesus Christus gelehrt hat: Vater unser…

Ansagen
Segen
Und nun geht in diesen Tag und in die kommende Woche unter dem Segen Gottes.
Der HERR segne euch und behüte euch,
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig,
der HERR erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden.
Amen.

Nachspiel